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04.11.2018 - Mit Einigkeit Damm das deutsche Ringen dominiert
Ex-Ringer und -Funktionär Michel M. Lefebvre wurde am 4. November 80 Jahre / Neunmal bei Olympischen Spielen gewesen



Er dominierte mit dem SV Einigkeit Damm einst das deutsche Ringen, brachte sich in den DRB und Ringerbezirk Main-Spessart ein und erlebte gleich neun Olympische Spiele persönlich mit: Michel M. Lefebvre ist ein Ringsportverrückter im besten Sinn. Am 4. November wurde der gebürtige Belgier, der 1944 mit einem Teil seiner Familie zunächst nach Großwelzheim floh und heute in Aschaffenburg lebt, 80 Jahre alt.
Der im Berufsleben einst als Werkzeugmacher, Technischer Zeichner und Ausbilder tätige Lefebvre, der dreifacher Vater und inzwischen auch Großvater ist, ist zum einen stolz auf seine Familie. Zum anderen - und dadurch wurde der Unterfranke, der einst in einem Vorort von Brüssel zur Welt kam, besonders vielen Menschen in der Region bekannt - machte er als aktiver Ringer und anschließend als Funktionär in „seiner“ Sportart Karriere.

Zum Mattensport kam der bis heute drahtige Lefebvre dabei erst als gestandener Teenager. „1955 wohnte ich eine längere Zeit im Aschaffenburger Kolpinghaus“, erzählt er. „In der Stiftsgasse war ich in einem Zimmer für vier Personen - da musste man lernen, sich durchzusetzen.“ Seine Zimmerkollegen hätten so seine Kräfte erkannt und ihn dazu animiert, mal beim Ringen vorbeizuschauen. Promp trat Lefebvre in den Aschaffenburger Kraftsportclub ein und rang ab 1957 schließlich für den SV Einigkeit 05 Aschaffenburg-Damm. „Die Jahre 1959 bis 1965 waren die erfolgreichsten der Dämmer Ringer“, blickt Lefebvre zurück. „Und ich hatte das Glück, auch ein Teilchen davon zu sein. 1963 und 1965 wurde der Verein Deutscher Mannschaftsmeister, Anfang der 60er zudem mehrmals Deutscher Vizemeister.
Auch nach der aktiven Laufbahn blieb Lefebvre dem Ringen treu, fungierte als Protokollführer des SV Einigkeit Damm, als Kampfleiter auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene sowie als hessischer Jugendreferent. Auf DRB-Ebene brachte er sich zwölf Jahre lang als Referent für den Nachwuchs ein, was der Deutsche Ringer-Bund 2003 dergestalt würdigte, dass er den Aschaffenburger zum Ehrenmitglied ernannte.

Von 2004 bis 2017 hatte Lefebvre das Amt des Vorsitzenden im Ringerbezirk Main-Spessart inne. „Die Bezirksvereine können bestätigen, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe“, ist er knapp ein Jahr nach seinem Ausscheiden mit sich und seinem Engagement im Reinen. Lange unterstützte er auch als Vorstandsmitglied und schließlich als Präsident die Vereinigung der Alten Athleten Hessen, ist heute ihr Ehrenpräsident. Ehrenamtlich diente er dem Gemeinwohl auch abseits der Sporthallen, etwa als Schöffe im Aschaffenburger Amtsgericht und zwölf Jahre lang als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in der katholischen Kirchengemeinde St. Michael.

Wiederum dem Ringen verdankt Michel Lefebvre seine besonders innige Beziehung zu den Olympischen Spielen. Bei neun war er vor Ort: 1960 in Rom, 1968 in Mexiko, 1972 in München, 1976 in Montreal, 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona, 2000 in Sydney, 2012 in London und vor zwei Jahren in Rio de Janeiro. Dazu recherchierte er eifrig und veröffentlichte zwei Publikationen: die reich bebilderten Ringerhefte „Olympia 1896 bis 2012“ und „Olympisches Tagebuch Rio 2016“. „Diese Reisen haben mich ungemein begeistert, ich habe manche Freundschaften knüpfen können, die heute noch Bestand haben. Immer habe ich versucht, neben dem Sport auch Land und Leute kennen zu lernen.“
Kaum zu glauben, dass der Aschaffenburger neben alldem auch noch das Bogenschießen und das Radfahren („Beinah jeden Tag sitze ich auf einem meiner vier Drahtesel“) zu seinen Hobbys zählt. Viele Wegbegleiter dürften Michel Lefebvre am Sonntag entsprechend zu acht prall gefüllten Lebens-Jahrzehnten beglückwünschen. jed?

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