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02.05.2019 - „Als Ringer wäre es international viel schwerer“
Der Dieburger Manuel Bartos ist deutschlandweit der jüngste Kampfrichter in der Ringer-Bundesliga / Das Kämpfen dem Pfeifen untergeordnet


Der Dieburger Manuel Bartos ist aktuell deutschlandweit der jüngste Kampfrichter in der Ringer-Bundesliga. Foto: Jens Dörr

2012 war er Dritter der Deutschen B-Jugend-Meisterschaften, 2014 DM-Dritter der A-Jugend. Der Dieburger Manuel Bartos, der seit zehn Jahren für den ASV Schaafheim kämpft, befand sich auf bestem Weg zu einer überdurchschnittlichen Ringer-Laufbahn. Das Kämpfen hat er inzwischen zwar nicht an den Nagel gehängt, aber seiner zweiter Passion untergeordnet: Bartos macht Karriere als Kampfrichter - und ist mit seinen 20 Jahren derzeit deutschlandweit der jüngste Referee in der Bundesliga.
Bereits seit einiger Zeit fährt der Dieburger parallel: Schon 2012, als er im griechisch-römischen Stil noch zu den nationalen Toptalenten zählte, stieg der mehrfache Hessenmeister in die Ausbildung zum Unparteiischen ein. 2017 und 2018 erwarb er die Bundesliga-Lizenz, wurde zunehmend mit Spitzenkämpfen der Oberliga Hessen betraut und debütierte im November im Oberhaus: Das Duell zwischen dem RC Düren-Merken und dem SV Alemannia Nackenheim war seine erste Partie als Mattenleiter in der Eliteklasse.

Aus dem Hessischen Ringer-Verbands darf momentan eine Handvoll weiterer Kampfrichter (in Ramona Scherer vom RLZ Aschaffenburg auch eine Frau) in Liga eins pfeifen. Allesamt sind sie aber deutlich älter als Bartos, der im Vorjahr sein Abitur machte, derzeit jobbt und im September ein Duales Studium bei der Polizei beginnt. Vor wenigen Jahren, sagt der noch immer drahtige Dieburger, habe er „gemerkt, dass ich größer und schwerer werde“. Was im Ringen stets mit dem Aufstieg in höhere Gewichtsklassen und damit oft härterer Konkurrenz einhergeht. Zunehmend fuchste er sich in die Leitung der Kämpfe hinein, in theoretische Details und praktische Umsetzung, feilte am Stellungsspiel auf der Matte, an seiner Persönlichkeit und am Auftreten. Die 30 Theoriefragen meisterte er auf dem Weg zur Bundesliga-Lizenz ebenso wie die Bewertung bestimmter Videoszenen auf dem Punktzettel und die Leitung von Duellen unter den Augen des Prüfungsausschusses. Mit der Hoffnung im Hinterkopf, es eines Tages sogar noch weiter als in die Bundesliga zu schaffen.

Denn: „Ein Augenmerk bei der Entscheidung, ob ich weiter aufs Ringen setze oder mich noch stärker aufs Pfeifen konzentriere, war auch die Aussicht auf internationale Turniere. Als Ringer wäre es international viel schwerer.“ In der Funktion als Kampfrichter hofft Bartos zunächst darauf, sich in der Saison 2019/20 in der Bundesliga zu etablieren und nach und nach auch für Wettkämpfe im Ausland zu empfehlen. Die Krönung wäre eines Tages ein Einsatz bei den Olympischen Spielen, gleichwohl sich Bartos der Höhe dieser Hürde bewusst ist: „Für Olympia muss ich erstmal fünf, sechs Jahre lang durchgehend sehr gute Leistungen zeigen.“ Selbst der Klassenerhalt in der Bundesliga sei nicht selbstverständlich: „Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Kampfrichter absteigt, ist genauso hoch wie die, dass man aufsteigt.“
Trotzdem: Aktuell ist der Dieburger eindeutig auf dem Weg nach oben. Bei den Kampfleitungen komme ihm in machen Szenen zugute, dass er selbst auf hohem Niveau rang und in der neuen Saison auch weiter für die Teams des ASV Schaafheim (in der Hessen- und/oder der Verbandsliga) in den Ringeranzug schlüpfen wird. „Man kann aber auch ein guter Kampfrichter sein, ohne selbst gerungen zu haben“, meint er.

Auf seine Einsätze als Kampfrichter, die im Oberhaus mit 100 Euro Spesen und 30 Cent pro gereistem Kilometer vergütet werden, müssen seine Trainer im Verein künftig freilich noch etwas mehr Rücksicht nehmen. Die Prioritäten für seine weitere Karriere im Ringen hat Manuel Bartos schließlich klar gesetzt.
Jens Dörr

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