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Aktuell Bezirk Darmstadt-Odenwald
07.01.2021 - Den Schutz der Kinder immer im Blick
Kindeswohl: Anpassung und Aktualisierung des Verhaltenskodex‘ sowie der Verhaltensregeln zum Umgang mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Sport

Eine Kindeswohlgefährdung im eigenen Verein: Das ist wohl eines der schlimmsten Dinge, die sich Vereinsverantwortliche vorstellen können. Nicht immer muss es dabei um sexuellen Missbrauch gehen. Und nicht immer muss ein Verdacht sich auch bestätigen. Klar ist jedoch: Gemeinsam sollten die Verantwortlichen aus Sportvereinen, Verbänden, Sportkreisen, der Sportjugend Hessen und dem Landessportbund alles daran setzen, dass es zu einem solchen Fall gar nicht erst kommt. Ein wichtiges Instrument dabei ist der Verhaltenskodex mit den zugehörigen Verhaltensregeln zum Umgang mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Sport. Beide Dokumente müssen von allen ehrenamtlich oder hauptberuflich tätigen Mitarbeiter/innen sowie Übungsleiter/innen im hessischen Sport unterschrieben werden, die Umgang mit Kindern, Jugendlichen und/oder jungen Erwachsenen haben. Nun haben das Präsidium des Landessportbundes Hessen (lsb h) und der Vorstand der Sportjugend Hessen eine Anpassung und Aktualisierung dieser Dokumente beschlossen.

Zielgruppenerweiterung und neue Beispiele
Zentral ist weiterhin das Versprechen der Unterzeichner, "keine Form der Gewalt, sei sie physischer, psychischer oder sexualisierter Art, auszuüben und meine Autoritäts- und Vertrauensstellung nicht auszunutzen", wie es im Kodex heißt. "Neben dem Kinder- und Jugendschutz wird der Bereich Persönlichkeitsschutz nun noch stärker abgedeckt. Zudem sollen Mitbestimmung und Beteiligung als wichtige Aspekte im Hinblick auf den Schutz von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verdeutlicht werden. Denn dort wo junge Menschen beteiligt werden, trauen sie sich eher, auch unangenehme Dinge anzusprechen", sagt Sabine Bertram, zuständige Referentin bei der Sportjugend Hessen mit Blick auf die Aktualisierung des Kodex‘.

Neben der Zielgruppenerweiterung um junge Erwachsene wird nun das Recht auf die Achtung der körperlichen Unversehrtheit und Intimsphäre deutlicher herausgestellt. Ebenso wurde die Einhaltung von zwischenmenschlichen und sportlichen Regeln im Sinne des Fair Play neu aufgenommen. Eine Überarbeitung haben auch die Verhaltensregeln erfahren, die den Kodex seit seiner Einführung im Jahr 2013 ergänzen. Sie regeln den Umgang mit Nähe, Körperlichkeit und Vertrauen insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. "Unser Ziel war, darin möglichst viele Situationen abzubilden, in denen es zu Kindeswohlgefährdungen, aber auch zu missverständlichen Situationen kommen kann", sagt Andrea Zemke, die das Thema im Vorstand der Sportjugend Hessen betreut. Was "Transparenz im Handeln" – die oberste Prämisse in diesem Bereich, die nun auch ganz am Anfang der Verhaltensregeln steht – konkret bedeutet, wird deshalb an praktischen Beispielen und in einfachen Worten festgemacht.

"Es wird nicht alleine mit einzelnen Kindern und Jugendlichen geduscht oder übernachtet", heißt es da etwa. Oder: "Bei geplanten Einzeltrainings wird möglichst immer das ,Sechs-Augen Prinzip‘ und/oder das ,Prinzip der offenen Tür‘ eingehalten." Es geht darum, einzelnen Kindern/Jugendlichen keine "Geheimnisse" anzuvertrauen, keine Privatgeschenke zu verteilen, einzelne Kinder/Jugendliche nicht in private Räume mitzunehmen. Und es geht natürlich um körperlichen Kontakt. Notwendige, funktionale Hilfestellung muss natürlich genauso möglich sein wie ein tröstendes In-den-Arm-Nehmen. Ein "pädagogisch sinnvolles Maß" dürfe allerdings nicht überschritten, Berührung nicht ohne Akzeptanz der Kinder erfolgen.

Sportjugend-Vorstand will Vorbild sein
Vieles davon scheint selbstverständlich zu sein. "Doch der Alltag ist der Nährboden von Missbrauch. Wir alle müssen uns deshalb immer wieder vor Augen halten, wo die Gefahren liegen, um Grenzüberschreitungen auch zu erkennen und frühzeitig darauf hinzuwirken, dass Täter/innen gar nicht erst die Chance dazu bekommen", sagt Zemke. Für sie und ihre Vorstandskolleg/innen der Sportjugend Hessen sei es deshalb selbstverständlich gewesen, den neuen Kodex und die Verhaltensregeln unmittelbar nach der Fertigstellung zu unterzeichnen. "Wir wollen als Vorbilder vorangehen und das, was auf dem Papier steht, auch mit Leben füllen."

Neuer Kodex gilt ab 1. Dezember
Bei Lizenzerwerb oder -verlängerung müssen ab dem 1. Dezember alle (angehenden) Übungsleiter/innen die Einhaltung der aktualisierten Form des Kodex‘ per Unterschrift bestätigen. "Gemäß § 9 der Ausbildungsordnung des Landessportbundes sind alle Lizenzinhaber dazu verpflichtet, bei Ausstellung der Neulizenz bzw. Lizenzverlängerung den Verhaltenskodex unterzeichnet vorzulegen", erklärt Sabine Bertram. Dies gilt bereits seit seiner Einführung im Jahr 2013. Ab dem 1. Dezember wird nur noch die aktualisierte Form des Kodex‘ akzeptiert. Auch für die Mitgliedsorganisationen des lsb h ist die Neuerung interessant. Schließlich nutzen viele Fachverbände den Verhaltenskodex des lsb h und der Sportjugend als Grundlage für ihren spezifischen Kodex. "Auch zahlreiche Vereine lassen ihre Übungsleiter/innen, Trainer/innen und Helfer/innen inzwischen den Verhaltenskodex unterzeichnen", freuen sich Bertram und Zemke. Sie hoffen, dass noch viele weitere dazukommen.
Quelle: Isabell Bogner, Sport in Hessen 24/2020

Verhaltensregeln gemäß Verhaltenskodex

Kindeswohlkonzept

Ansprechpartnerinnen

Prävention, Modellprojekte und Qualifizierung
Sabine Bertram
Tel.: 069/6789-344
SBertram@sportjugend-hessen.de
















Ann-Kristin Pieper
Tel.: 06441 979627
APieper@sportjugend-hessen.de

















Beratung im Verdachtsfall
Angelika Ribler
Tel.: 069/6789-401
ARibler@sportjugend-hessen.de

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